Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion

Eine würdevolle Pflege im Alter zu gewährleisten, bleibt eine große Herausforderung auch in der Zukunft.

Der demographische Wandel, die steigende Nachfrage nach Dienstleistungen rund um die Versorgung im Alter oder bei Pflegebedarf und der sich abzeichnende Fachkräftemangel werfen Fragen auf: Wie kann es gelingen, weiterhin gut ausgebildetes Personal für eine würdevolle Pflege alter und kranker Menschen zu finden? Wie können die Arbeitsbedingungen in der Pflege so weiterentwickelt werden, dass Krankenschwestern und Altenpfleger ihren Beruf nicht verlassen, sondern weiterhin mit hoher innerer Überzeugung diesen wertvollen Dienst am Menschen leisten? Unbestritten ist, dass die hohe Arbeitsverdichtung und der überbordende Bürokratieaufwand in der Pflege dringend verändert werden müssen, damit wieder mehr Zeit für persönliche Zuwendung bleibt.

 

Vorsitzende des Unterausschusses Globale Gesundheit im Deutschen Bundestag

Gesundheit ist ein Menschenrecht – weltweit

Gesundheitspolitik wird in der deutschen Öffentlichkeit vor allem als nationales Aufgabenfeld wahrgenommen. Zunehmend wird aber deutlich, dass den großen Herausforderungen, die die menschliche Gesundheit hierzulande und weltweit bedrohen, nicht mehr nur mit nationalstaatlichen Mitteln begegnet werden kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die zehn größten Gefahren für die Weltgesundheit benannt – darunter den Klimawandel, Luftverschmutzung, Antimikrobielle Resistenzen (AMR), Pandemien und schwache Basisgesundheitsversorgung. In einer immer stärker vernetzten und mobilen Welt jetten Waren, Kapital und Personen um den Globus – und Erreger im Gepäck manchmal gleich mit.

Eine gesundheitsfördernde Politik muss aber nicht nur gute Versorgung im Krankheitsfall gewährleisten, sondern überall für Lebensbedingungen, Arbeits- und Umweltverhältnisse sorgen, die nicht krank machen. Diese dürfen nicht vom Geburtsort, Bildungsniveau oder Einkommen abhängen. Die ungleiche Verteilung von Gesundheits- und damit Lebenschancen von Menschen muss durch politische Gestaltung verringert werden. Immer noch haben weltweit über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu einer ausreichenden und bezahlbaren Gesundheitsversorgung.
Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten setzen uns für internationale Kooperationen und strategische Partnerschaften im Bereich globale Gesundheit ein. Insbesondere wollen wir die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als zentralen Akteur in diesem Feld weiter stärken. Sie ist die einzige Organisation, die auf internationaler Ebene Recht setzen kann.

Globale Gesundheit ist ein politisches Querschnittsthema, das auf zahlreichen Ebenen bearbeitet werden muss. Dafür haben wir im Deutschen Bundestag den Unterausschuss Globale Gesundheit eingerichtet, zu dessen Vorsitzender ich gewählt wurde. Hier arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ausschüssen, wie Bildung und Forschung, Landwirtschaft oder Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zusammen, um von parlamentarischer Seite Lösungsansätze mit zu entwickeln, zu begleiten und Initiativen zu ergreifen.

 

Der Patient im Mittelpunkt

Gesundheit ist ein hohes Gut: Sie ist nicht nur für jede/n Einzelne/n wichtiger Faktor für eine erfolgreiche und erfüllende Lebensgestaltung, sondern letztlich auch Voraussetzung für ein gelingendes Miteinander in unserer Gesellschaft.

Vorsorgende sozialdemokratische Gesundheitspolitik will Krankheit vermeiden, Gesundheit erhalten und Unterschiede in den Gesundheitschancen abbauen. Als Mitglied im Gesundheitsausschuss setze ich mich dafür ein, dass alle Menschen gleichermaßen am medizinischen Fortschritt teilhaben können. Wir wollen keine Zweiklassenmedizin. Gleichzeitig gilt es sicherzustellen, dass unser hoch entwickeltes und leistungsfähiges Gesundheitssystem bezahlbar bleibt. Diese gegenläufigen Ziele müssen vernünftig ausbalanciert werden.

Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Gesundheitssektors ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Dies schlägt sich auch in einer gestiegenen Zahl von Beschäftigten nieder. Gute Arbeitsbedingungen sind Voraussetzung für eine gute Versorgung der Patientinnen und Patienten.

Bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union konnten wir spürbare Verbesserungen für Versicherte, für Patientinnen und Patienten durchsetzen. Wir mussten jedoch auch Kompromisse eingehen, weil sich beispielsweise die Union weiter strikt gegen die Bürgerversicherung ausspricht. Der Vertrag bildet aber gerade im Bereich Gesundheit eine gute Grundlage für ein Bündnis auf Zeit.

 

Rehabilitation sichert Lebensqualität und gleichberechtigte Teilhabe

Wie wertvoll Rehabilitation ist, zeigt sich in den unterschiedlichsten Lebenslagen. Wer nach schwerer Krankheit eine Rehabilitation erfolgreich meistert und den Sprung zurück in die Arbeitswelt schafft, gewinnt Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zurück.

Und wem es als älterer Mensch gelingt, mit HSPD_Krankenhaus_06.09.jpegsilfe der Rehabilitation die Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder herauszuschieben, hat an Selbstständigkeit und Lebensqualität gewonnen.

Aber auch für die Gemeinschaft und das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht ist der Erhalt unserer Gesundheit und Leistungsfähigkeit von großer Bedeutung. In einer älter werdenden Gesellschaft werden wir mehr denn je eine gute medizinische Versorgung von der Prävention bis zur Rehabilitation brauchen, damit Beschäftigte ihren Arbeitsplatz behalten können und ältere Menschen solange wie möglich selbstständig oder trotz Pflegebedarf im vertrauten häuslichen Umfeld zurechtkommen.

In meiner Fraktion setze ich mich als Berichterstatterin für die Stärkung und den Ausbau der medizinischen wie auch geriatrischen Rehabilitation ein. Und einiges haben wir in dieser Legislaturperiode schon auf den Weg gebracht. So wurde 2014 mit der Rentenreform der so genannte „Reha-Deckel“ angehoben. Seitdem stehen jährlich wesentlich mehr Mittel für Rehabilitationsmaßnahmen zur Verfügung. Außerdem haben wir das Wunsch- und Wahlrecht für die Betroffenen verbessert und sichergestellt, dass ambulante Rehabilitationsleistungen auch mobile Dienste einschließen. Dieses aufsuchende Rehabilitationsangebot kommt insbesondere den Menschen entgegen, die lieber zuhause bleiben möchten oder jene, die sich nur schwer in fremder Umgebung zurechtfinden. Darüber hinaus haben wir das Entlassmanagement neu geregelt, um nach einem Krankenhausaufenthalt einen lückenlosen Übergang in die ambulante Versorgung sicher zu stellen.

Leider wird die Rehabilitation zur Vorbeugung oder Vermeidung von Pflegebedürftigkeit viel zu selten in Anspruch genommen. Hier ist es wichtig, die Achtsamkeit der Hausärzte zu stärken und den Weg in eine ambulante oder stationäre Rehabilitation zu vereinfachen. Auch könnte ein besseres Zusammenspiel der Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) und der Kranken- sowie Pflegekassen an dieser Stelle helfen, den Zugang zu Rehabilitationsmaßnahmen zu erleichtern und die Inanspruchnahme zu erhöhen. Daher wird es zukünftig ein bundesweit einheitliches Verfahren zur Ermittlung des Rehabilitationsbedarfs geben und der MDK wird verpflichtet, dieses bei der Begutachtung der Pflegebedürftigkeit anzuwenden.