Schutz für die, die schützen

Kommentar von Heike Baehrens, Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagfraktion

In Krisenzeiten gilt es zu beweisen, dass man in der Lage ist, das Allerwichtigste vom Wichtigen zu unterscheiden. Klare Prioritäten müssen gesetzt werden. Beim Thema Schutzausstattung gelingt das derzeit nicht. Wenn weltweit der Markt für Mundschutz jedweder Art leergefegt ist, dann ist es richtig, alle Produktionskapazitäten zu schöpfen und zu aktivieren, die im In- und Ausland zur Verfügung stehen. Aber es ist falsch, zeitgleich alle Bürgerinnen und Bürger aufzufordern, im öffentlichen Raum einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Es ist unzweifelhaft richtig, vor allem diejenigen intensiv schützen zu wollen, die am verletzlichsten sind und jene, die unmittelbar mit Infizierten arbeiten. Darum muss Priorität haben, diejenigen mit den notwendigen Schutzutensilien auszustatten, die Menschen und Leben schützen und dabei selbst mit Schutzausstattung noch persönliche Risiken eingehen. Wenn ein lebensrettendes Gut knapp ist, dann muss Politik alles dafür tun, dass diejenigen es erhalten, die es tatsächlich benötigen und damit den Schutzauftrag des Staates erfüllen.

Für mich ist es unerträglich, wenn in Talk-Shows oder Coronavirus-Sondersendungen eine solche krisenbedingte Priorisierungsnotwendigkeit in akademischer Überheblichkeit verwässert wird. Und wenn der gleiche Experte, der Mund-Nasen-Schutz für alle im öffentlichen Raum fordert, weder bei Interviews im Freien noch in Studios einen solchen trägt, wird es nicht glaubwürdiger.

Öffentlich-rechtliche Sender haben eine öffentliche Verantwortung und sollten in aller Freiheit dazu beitragen, die jetzt notwendige Klarheit auch eindeutig zu vermitteln: Wir schützen uns, indem wir Abstand zueinander halten, wir helfen Leben zu schützen und zu retten, indem wir Pflegekräften, Ärzten und anderen Rettungskräften das knappe Gut überlassen.