Kliniken im Kreis reagieren auf Reformpläne mit Aktionstag

Neue Württembergische Zeitung | KRISTINA BETZ |

Im Oktober soll das Krankenhausstrukturgesetz in Kraft treten. Statt benötigter Verbesserungen halte die Reform Kürzungen für Krankenhäuser bereit, sagen Kritiker. Sie protestierten mit einem Aktionstag.

Zeitgleich wurde Mittwochmittag an mehreren Standorten gegen die Krankenhausreform protestiert, die ab Oktober greifen soll. Neben Demonstrationen in Stuttgart und Berlin, zu der auch 71 Schüler der Alb-Fils-Kliniken gefahren waren, machten bundesweit Krankenhäuser mit einer „aktiven Mittagspause“ auf die drohenden Folgen der Reform aufmerksam. Auch die Klinik am Eichert und das Klinikum Christophsbad nahmen teil. Im Fokus der Kritik standen dabei Kürzungen – die statt lang geforderter Verbesserungen für die Krankenhäuser kommen sollen. Trotz der Entrüstung war es ein friedlicher Protest, bei dem Luftballons mit den Forderungen an die Politik in die Luft gelassen wurden.

„Nach Berlin sollen sie kommen“, rief eine Krankenschwester vor der Klinik am Eichert den Ballons hinterher. Denn bis dorthin soll der Protest schallen: „Es wird Zeit, dass die Politik aufwacht“, forderte die Leiterin des Versorgungsdiensts, Petra Neumann, die, wie 250 weitere Krankenhausmitarbeiter der Alb-Fils-Kliniken, an der „aktiven Mittagspause“ teilnahm. Von der Krankenschwester bis zur Geschäftsleitung geht das Thema alle an. Man vertrete dieselben Interessen und müsse das auch zeigen, appellierte Christophsbad-Geschäftsführer Bernhard Wehde. Das Gesetz erfülle nicht die Erwartungen des Krankenhauses. Da waren sich Geschäftsleitung und Betriebsrat einig: „Weniger Geld und weniger Personal – diese Rechnung geht nicht auf“, unterstrich Betriebsratsvorsitzender Roland Keller die Problematik. Ein Mehrbedarf von 50 bis 80 Stellen bestehe allein beim Christophsbad. Bundesweit seien es laut der Gewerkschaft Verdi 162.000. „Mit dem neuen Gesetz droht ein Kahlschlag“, verdeutlichte Keller. Wehde sprach zudem von einer „Politik der Unterfinanzierung“ und stellte vor allem heraus: „Der Begriff der Produktivität ist nur richtig, wenn er als Lebensqualität für die Patienten übersetzt wird.“

Dabei steht die Kürzung des Versorgungszuschlags sowohl bei der privaten Klinik Christophsbad als auch bei der staatlichen Klinik am Eichert im Vordergrund. Die 0,8 Prozent Zuschlag, die als Finanzspritze des Bundes an Krankenhäuser gedacht waren, sollen fürs Jahr 2017 ersatzlos gestrichen werden. Dabei geht es bundesweit um 500 Millionen Euro, die den unterversorgten Krankenhäusern dann fehlen.

„Wir tun auf der Station unser Bestes, aber die Patienten bekommen Missstände schon zu spüren. Wir können unseren Beruf nicht so gut ausüben, wie wir wollen“, fasst die stellvertretende Stationsleiterin der Kardiologie und Pulmologie, Daniela Rieker, die Auswirkungen für ihre Stationen zusammen. Zustände würden sich nicht verbessern, sondern verschlechtern, man hoffe deshalb sehr, dass die Aktion ein Zeichen für die Politik setzt.

Eine Reaktion zur Protestaktion kam prompt: Die SPD-Bundestagsabgeordnete für den Landkreis Göppingen, Heike Baehrens, gab in einer Pressemitteilung bekannt, die Sorgen zur Reform sehr ernst zu nehmen und kündigte es als oberstes Ziel der SPD an, die Situation des Pflegepersonals zu verbessern und den Personalnotstand zu beseitigen. Eine Petition von Verdi mit allein 1200 Unterschriften aus den Alb-Fils-Kliniken will Betriebsratsvorsitzender Max Radloff am Freitag nach Berlin senden. In der Petition wird entgegen den Zielen der Reform mehr Personal gefordert.

Artikel auf swp.de

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